Der Sommer ist die Zeit der Sprachforen, und im Rahmen der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ der Stadt Astana und des Gebietes Akmolinsk finden sie jedes Jahr statt. Heutzutage sind die Kinder der Generation Z nicht leicht für das Lesen zu begeistern, da sie alle im Internet versunken sind, aber ein Buch ist der beste Mentor und ein schönes Geschenk für Freunde. Genau deshalb ist das aktuelle Sprachforum „Alte und neue Bibliothek“ auf die Bindung der nachfolgenden Generation der ethnischen Deutschen zur Muttersprache durch das Kennenlernen der deutschen Literatur ausgerichtet. Insbesondere mit dem Werk der Schriftstellerin Nelli Wacker, die im Oktober dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wäre.

Vom ersten Tag an lernen sich die Teilnehmer in spielerischer Form gegenseitig auf Deutsch kennen, spielten, tanzten, nahmen an Quizrunden und Theateraufführungen teil. In den Sprachwerkstätten „Deutsch“ und „Deutsch+“ versanken die Jungs und Mädels täglich in der deutschen Sprache und Kunst. Die Kinder lasen die Werke und Biografien deutscher Autoren, nahmen an dem intellektuellen Kommandospiel „Kahoot“ teil, dass auf Daten aus dem Leben von Nelli Wacker aufbaute, inszenierten Mini-Aufführungen nach Motiven der Geschichte „Vergissmeinnicht“ aus ihrem Werk „Erika´s Blumenmärchen“, lernten Weltbestseller auf Deutsch kennen, organisierten tolle Aufführungen, erarbeiteten und führten Musikstücke auf und zeigten sogar ein Schattentheater nach Motiven von „Der Grüffelo“.

Die Jungs und Mädels besuchten zusammen mit den Lehrkräften die Nationale Akademische Bibliothek der Republik Kasachstan. Dort gibt es ein neues multimediales Modellprogramm, welches mit elektronischen Informationen arbeitet, verschiedene Dienstleistungen bereitstellt und neue Computertechniken verwendet. Im Bestand der Stiftung findet man gedruckte und Audiobücher, Zeitschriften, Karten, elektronische und musikalische Ausgaben, Mikrofilme, Postkarten und sogar Bücher für Sehbehinderte.

Die Teilnehmer des Sommerforums waren vom Kennenlernen der Bibliothek sehr beeindruckt. Die Kinder konnten selbst erfahren, wie man an das zum Lesen gewünschte Buch kommt und sich ihm im Lesesaal annähert. Im Jahr 2010 wurde in der Nationalen Akademischen Bibliothek das Einschienentransportsystem „Telelift“ mit einer Länge von 450 Metern eingeführt. Dank diesem System dauert der Transport von Büchern oder anderen Dokumenten aus dem Bestandsdepot in sämtliche Lesesäle nur fünf Minuten.

Herzlich begrüßt wurden die Jungs und Mädels in der städtischen Kinderbibliothek Nr. 8. Die Teilnehmer erhielten interessante Informationen über die deutschen Märchenschreiber Hoffmann, Gauf oder die Brüder Grimm. Der Vortrag endete mit einem Blitzrätsel über ihre Märchen, bei dem die Kinder mit ihrem Wissen glänzten.

Am nächsten Tag erwartete die Jungs und Mädels ein elektronisches Bibliotheksabonnement des Goethe-Institutes, welches den Zugriff zu den digitalen Publikationen ermöglicht. Die Teilnehmer erhielten Schritt für Schritt Informationen darüber, wie man die Webseite benutzt und auf Mediendateien mit interessanten Büchern, Zeitungen, Journalen und sogar Videos zugreift. Alle Materialien, die diese ungewöhnliche Bibliothek anbietet, sind lizenziert, einige sind in mehrfachen Ausführungen vorhanden. Sind Sie interessiert? Alle weiterführenden Informationen können Sie direkt beim Goethe-Institut erhalten.

In der Bastelwerkstatt haben die Kinder nach Motiven aus „Erika´s Blumenmärchen“ Bastelarbeiten hergestellt und so verschiedene Techniken und Materialien für die Handarbeit kennengelernt. Es wurden Bilder im Schneidestil gebastelt, zarte blaue Vergissmeinnicht aus Perlen geflochten, man konnte Foamiran (ein dekoratives Schaummaterial, das für verschiedene Arten von Handarbeiten verwendet wird) kennenlernen oder das Einmaleins der Plastilinografie erlernen. Die Jungs und Mädels waren überrascht von der Tatsache, dass das erste Plastilin im Jahr 1880 auftauchte, es wurde von dem deutschen Apotheker Franz Kolb, der in München lebte, erfunden. Mit der Technik Origami haben die Kinder farbige Lesezeichen für Bücher gebastelt. Sogar mit ihrer Restaurierung haben sie sich beschäftigt – eine sehr wichtige Fertigkeit!

Die Werkstätten „Teambuilding“ und „Active-Point“ haben dazu beigetragen, Teambuilding-Fertigkeiten durch emotionale Belastungssituationen zu entwickeln. Die Kinder haben sich gegenseitig angefreundet, viele deutsche Tänze einstudiert, verschiedene Spiele ausprobiert, an Trainings und Sportwettkämpfen teilgenommen, haben einen „Turm der Freundschaft“ gebaut und bei der „M&M´s Party“ Spaß gehabt.

Zwei Wochen vergingen wie im Flug. Die Teilnehmer an dem Projekt „Alte und neue Bibliothek“ haben eine riesige Ladung Wissen erhalten. So viele liebe Worte und wundervolle Kritiken erklangen von den Jungs und Mädels sowie von den Eltern, alle sind überus glücklich und warten schon auf die nächsten Treffen! Und zum Abschluss erhielt jeder von ihnen ein Zertifikat und ein Geschenk, welches freundlicherweise von einem Sponsor zur Verfügung gestellt wurde – dem Stuckdekorstudio „Dekorgips“.

Ewgenija Gisik

Übersetzung: Philipp Dippl

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