Die Geheimnisse des Fleißes von Nina Gerasimowa

Nina Gerasimowa (geborene Janzen) wurde im Jahre 1947 in dem Dorf Urdzhar im Gebiet Semipalatinsk geboren. Ihre Eltern wurden deportiert: Der Vater Adolf Janzen aus dem Stalingrader Gebiet und die Mutter Elsa Janzen aus dem Gebiet Donezk.

„Mutter hat mir erzählt, wie sie in den Waggons gefahren sind, wie auf der Fahrt viele Menschen gestorben sind. Die Mutter hatte ein Kind im Arm, das erst eine Woche alt war. Doch der Tod ging an ihnen vorbei und sie erreichten wohlbehalten Urdzhar, wo sie in einem Kolchosehäuschen untergebracht wurden.Mutter hatte Glück, sie war mit Verwandten ihres ersten Ehemannes unterwegs, mit ihrer Schwiegermutter und der Schwägerin. Sie haben mitbekommen, was damals in anderen Dörfern mit dem deutschen Volk geschah, und konnten sich vorbereiten, sie nahmen die wertvollsten Gegenstände mit, die sie während des Krieges verkauften oder gegen Essen eintauschten. Leider starb der erste Sohn der Mutter mit zwei Jahren an Dysenterie. Bald darauf erhielt sie die Nachricht von der Beerdigung des Ehemanns. Aber diese Belastungen haben sie nicht gebrochen. Sie lebte weiterhin in Urdzhar, sie heiratete zum zweiten Mal“, – teilt Nina Janzen ihre Erinnerungen.

Die Familie lebte durchschnittlich. Der Vater arbeitete, die Mutter war mit den Kindern und dem Haushalt beschäftigt. Nina war die älteste von drei Schwestern. Die Mutter, strengte sich so sehr an, wie sie konnte – sie hat irgend etwas hergenommen, hat es umgenäht, hat es verändert. Elsa Aleksandrowna hat die Kinder zur Ordentlichkeit erzogen – „Armut ist nicht Schmutz, man muss immer auf sich selbst acht geben“. Im Haus war Ordnung, damit war die Familie streng. Es wurde auf Deutsch gesprochen, aber die Umgangssprache war der Hochsprache sehr fern. Mein Vater verstand etwas Kasachisch, aber auf der Arbeit hat er hauptsächlich Russisch gesprochen. Meine Mutter hatte einen starken Akzent, sie liebte es sehr, auf Deutsch zu singen. Nina Adolfowna erinnert sich bis heute an ihre Mutter, wenn sie Deutsch hört.

Es gab sehr viele Deutsche in Udzhar, der Kreis, in denen die Deutschen lebten, wurde von den Leuten Berlin genannt. Sie züchteten Geflügel, legten Obstgärten an und passten auf die Landwirtschaft auf. Sie feierten die religiösen Feiertage: Ostern, Pfingsten, Weihnachten. Nina Adolfowna liest bis heute vor dem Schlafengehen das „Vater unser“. Zu Weihnachten gab es keinen richtigen Weihnachtsbaum in Urdzhar, in der Familie Janzen war es üblich, einen Ahorn- oder Pappelzweig abzuschneiden und ihn zum Fest zu schmücken. Im Laufe des Schuljahres sammelten die Kinder die grünen Umschläge der Schulhefte, die Mutter schnitt sie in Streifen und klebte die Streifen an den Zweig. Der Weihnachtsschmuck am Baum waren auch selbstgemacht, wir haben Ketten aus Papier gebastelt, meine Mutter hat aus Teig verschiedene Tiere und kleine Männchen gebacken, sie hat sie mit dem Messer ausgeschnitten, ohne irgendwelche Formen. Die Geschenke für die Kinder, eine Krippe aus Stäbchen und andere Dinge hat Elsa Aleksandrowna ebenfalls selbst gebastelt. In der Weihnachtsnacht stellten die Kinder immer einen Teller für Geschenke in die Nähe des Bettes.

An Ostern wurden in der Familie Osterkuchen gebacken, und ein Muss war Reisbrei mit Zucker und Zimt bestreut. Zwei oder drei Wochen lang wurde ein Nest für den Osterhasten gebastelt. Sie nahmen eine Schachtel, füllten sie mit Erde auf und säten Gerste oder Weizen. Das Gras wuchs und am Morgen des Festtags fanden die Kinder dort Ostereier.

Pfingsten wurde immer auf besondere Art und Weise gefeiert. Die Häuser wurden sauber und ordentlich hergerichtet, man ging in ein Wäldchen, pflückte Thymian, Pfefferminze und wildwachsenden Spargel, brachte alles nach Hause und verteilte es auf dem Boden, damit es im Haus einen aromatischen und frischen Duft gab. An diesem Tag machte meine Mutter Mehlgelee mit Mehlspatzen, auch war an diesem Tag oft der Rhabarber schon reif und sie kochte eine Suppe daraus.

Nina Adolfowna absolvierte die Mittelschule, aber aus gesundheitlichen Gründen konnte sie ihre Ausbildung nicht fortsetzen. Sie arbeitete in einer 8-jährigen Schule und unterrichtete Deutsch, Mathematik und Hauswirtschaft. Nina Adofowna ist aufgrund ihrer eingeschränkten Sehkraft Invalidin der zweiten Stufe.

Heute ist Nina Adolfowna Großmutter von sechs Enkeln und sogar schon Urgroßmutter einer Urenkelin. Sie kann niemals untätig dasitzen, in der Arbeit findet sie Ruhe. Sie liebt es, Piroggen nach dem Rezept ihrer Mutter zu kochen. Und es gibt ihre große Familie, an den Feiertagen kommen immer 15-20 Menschen zusammen. Von der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen „Wiedergeburt“ in der Stadt Semej erfuhr Nina Adolfowna im Jahr 2015 und begann mit großer Freude, an den Treffen des Seniorenklubs sowie an den Veranstaltungen und Feiertagen der Gesellschaft teilzunehmen. Sie nimmt aktiv an den Wettbewerben teil, die sich um Handarbeiten drehen. Und sogar mit neuen Technologien kommt sie gut zurecht. Wir wünschen Nina Adolfowna Gesundheit und viel Erfolg in allen Dingen.

Marija Gorbatschewa

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