Im Jahr 1989 begann der Wiederbelebungsprozess des Nationalbewusstseins der Deutschen Kasachstans.

Gerade zu dieser Zeit entstanden die Gesellschaften „Wiedergeburt“ und die nationalen Kulturzentren. Auf zwei Kongressen der Deutschen Kasachstans (1992 und 1995) wurde der Rat der Deutschen gewählt, der die Interessen einer halben Million (zu dieser Zeit) Deutscher in der Republik vertrat.

Eine bedeutende Rolle in den Aktivitäten der deutschen gesellschaftlichen Vereinigungen spielt die linguistische, soziale und die kulturelle Freizeitarbeit, die auf die Wiederbelebung der Sprache und die Verbreitung der Kultur ausgerichtet ist. In den in den nationalen städtischen, regionalen und Gebietskulturzentren gibt es Chor- und Gesangsgruppen, Volkstanz-, Musik- und Familienensembles, sowie Theater- und Tanzkollektive. Bibliotheken und deutsche Sonntagsschulen für Kinder öffnen ihre Türen.

Besonders beliebt ist die staatliche Zeitung „Freundschaft“ (heute: die „Deutsche Allgemeine Zeitung“). Das am weitesten verbreitete Informationsmedium ist das Fernsehprogramm „Guten Abend!“ im landesweiten Fernsehsender „Kasachstan“.

Seit 1958 gab es eine deutsche Redaktion im kasachischen Radio. Auch der literarisch-künstlerische und gesellschaftspolitische Almanach „Phoenix“ erhielt Unterstützung vom Staat.

In den Beständen des Völkerkundemuseums des Gebietes Ostkasachstan wurde eine bedeutende Sammlung zusammengetragen, die die materielle und spirituelle Kultur des deutschen Volkes widerspiegelt, dessen Geschichte auf dem Gebiet der Region mehr als 100 Jahre zurückreicht. Hier sind Ikonen, Bücher, Fotografien, Wandtafeln, Frauenbekleidung und Schmuck, Bettwäsche, Handarbeiten von Frauen (Servietten, Vorhänge, Stickereien), Hochzeitszubehör, Möbel, Geschirr oder Haushaltsgegenstände ausgestellt.

All dieses prachtvolle Material wurde auf Expeditionen und Forschungsreisen an die Siedlungsorte der Deutschen in der Region, sowie im Rahmen der Arbeit mit Einheimischen gesammelt. Die Exponate sind original,  sie alle wurden irgendwann einmal im deutschen Umfeld benutzt. Ein Teil von ihnen schmückt die Inneneinrichtung eines deutschen Hauses im ethnografischen Dorf am linken Ufer des Irtysch.

In Ridder wurde Jurij Wladislawowitsch Klassen zum Initiator der deutschen Bewegung und erster Leider der gesellschaftlichen Vereinigung „Wiedergeburt“. Gebürtig aus dem Dorf Ordynskij in der Russischen Föderation, beendete er im Jahr 1967 das Topografische Technikum Nowosibirsk, sowie im Jahr 1983 die Staatliche Universität Altaj im Fachbereich „Lehrer für Geschichte und Sozialkunde“.

In Leninogorsk (heute ist dies die Stadt Ridder) arbeitete Jurij Wladislawowitsch als Geschichtslehrer an der Schule Nr. 8, leitete archäologische Kreise im Museum für Geschichte und Regionalkunde und an der Station für junge Touristen. Er erhielt nicht nur einmal die Erlaubnis für archäologische Forschungen. Zusammen mit seinen Schülern besuchte er verschiedene Ausgrabungen.

Die Leitung des deutschen Kulturzentrums Leninogorsk übergab Jurij Klassen an Ljubow Ignatjewa. Ljubow Wasiljewna erhielt die Hochschulbildung in Moskau, beendete die Zeitgenössische Staatliche Akademie und erhielt den Bakkalaureus im Fachgebiet Psychologie. Hinter ihr liegen 45 Jahre exzellenter Arbeit im Gebiet der Bildung. Lehrer der höchsten Kategorie, methodologische Lehrkraft, Schulleiterin in pädagogischer Arbeit an der UWK „Lyzeum“, Mentor von Preisträgern in städtischen und regionalen Gesangswettbewerben.

Und bereits seit 30 Jahren ist Ljubow Ignatjewa Teil der deutschen Bewegung „Wiedergeburt“ LNKZ. Gemeinsam mit Klassen initiiert sie seit 1989 die Konsolidierung der deutschen Ethnie der Stadt Ridder in der Gesellschaft „Wiedergeburt“.

Als hervorragender Organisator, energiegeladener und tatkräftiger Mensch mit großem Potential an spiritueller Energie hat Ljubow Wasiljewna einen großen Beitrag zur Wiederbelebung und Bewahrung der Muttersprache, der Kultur und der Mentalität der Deutschen von Ridder geleistet. Im Jahr 2001 wurde sie zur Vorsitzenden des deutschen Kulturzentrums „Wiedergeburt“ Leninogorsk gewählt und ist ebenfalls Mitglied der Volksversammlung Kasachstans des Gebietes Ostkasachstan.

In all diesen Jahren hat Ljubow Wasiljewna die Arbeit der Gesellschaft in vier Hauptbereiche aufgebaut: Bildung, Kultur, Soziales und Jugend. Im deutschen Zentrum werden Sprachkurse für Kasachisch, Deutsch und Englisch organisiert, welche in interaktiver Form unter Verwendung europäischer Technologien unterrichtet werden.

Unter aktiver Teilnahme von Ljubow Wasiljewna werden kasachische und deutsche Feiertage und Feste durchgeführt. Für ihren großen Beitrag in der Entwicklung der deutschen Bewegung in der Republik Kasachstan wurde sie mit vielen Medaillen, Ehrenurkunden und Dankesbriegen ausgezeichnet.

Andrej Kratenko

Übersetzung: Philipp Dippl

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