Eine der wichtigsten Familientraditionen der Deutschen Kasachstans ist das Weihnachtsfest. In den 1950er-1970er Jahren war der Feiertag so strahlend, dass er lange in den Kindheitserinnerungen der heute Erwachsenen blieb. Die wichtigsten Figuren des Festes warn das Christkind und der Pelznickel.

„… In meiner Kindheit in Walerjanowka (ein Dorf im Taranowsker Kreis im Gebiet Kostanaj), – erinnert sich A. A. Schefer, – bin ich auf diese Weihnachtstradition gestoßen: Familienmitglieder oder Nachbarn zogen sich ein Kostüm mit einem umgekrempelten Pelzmantel an, an dem viele verschiedene Gegenstände aufgehängt waren, mit einer seltsamen Kopfbedeckung und einem Bart. Mit einem Stab in der Hand, mit dem er so viel Lärm wie möglich machte, erschien der „Pelznickel“, so nannten die Erwachsenen diese Figur, in Begleitung des Christkindes in der Holztür des Hauses.

Die Kinder wurden natürlich im Voraus über die Erscheinung dieser Personen benachrichtigt. Und als sie in das Haus kamen, begannen sie mit der Befragung der Kinder über ihr Verhalten im Laufe des Jahres: haben sie denn den Eltern bei der Hausarbeit geholfen, wie haben sie in der Schule gelernt und noch vieles weitere. Die verängstigten Kinderchen entschuldigten sich und berichteten von ihren Erfolgen im ausgehenden Jahr, während sie sich wunderten, woher der „Pelznickel“ von ihren vergangenen Verfehlungen wusste. Es kam die Zeit, als das „Christkind“, als es die Furcht in den Augen der Kinderchen sah, sie in Schutz nahm und sie anschließend bat, ein Gedicht oder irgendeinen „Spruch“ (eine Redensart oder ein Sprichwort auf Deutsch) aufzusagen. Alle waren froh und die Furcht war schnell vergessen.“

Die Vorfahren von Aleksandr Aleksandrowitsch Schefer – Deutsche aus dem Wolgagebiet, wurden in den Kriegsjahren nach Sibirien deportiert, sie zogen im Jahr 1957 nach Walerjanowka, nach der Abschaffung des Regimes der Sonderkommandantur. Weihnachten wurden in ihrer Familie – „Chistaoowt“ – genannt, Christabend. A. A. Schefer, der bereits in Deutschland lebte, stellte fest, dass in den kleinen Dörfern in Mittel- und Süddeutschland, in den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz die Großmütter diese Gestalten und diese Traditionen kennen.

Es ist erstaunlich, dass der Feiertag selbst in den schweren Jahren, obwohl es manchmal am Nötigsten fehlte,  durch die Hände der Erwachsenen entstand. Die Kostüme und den Feiertagsschmuck bastelten sie mit ihren eigenen Händen. Zum Beispiel ist in der Sammlung unseres Museums von Hand geschnitzte Holzspielzeuge aufbewahrt – Weihnachtslämmer und Figuren, die Teil eines Spiels waren, bei dem in den Familien für die Kinder die Geschichte der Geburt Jesu Christi gezeigt wurde.

Aber der besondere Zauber des Festes lag in dem Gefühl der Stärke der verwandtschaftlichen und familiären Bindungen. Als sich für den Feiertag alle Angehörigen, nahe und ferne Verwandte, um einen Tisch versammelten, geschah ein Wunder, bei dem die geistige Kraft für neue Bewährungsproben entstand, das Wunder, das den tiefen Glauben heiligt.

Julia Budanowa
KGU „Museum für Geschichte und Kultur des oberen Wolgagebietes Lisakowsk“
Kulturabteilung des Akimats des Gebietes Kostanaj
Stellvertretender Direktor für wissenschaftliche Arbeit
Stadt Lisakowsk, Gebiet Kostanaj

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