Iwan Egorowitsch Sartison, Veteran der deutschen Nationalbewegung „Wiedergeburt“, Korrespondent bei „Neues Leben“ und „Freundschaft“.

 – Iwan Egorowitsch, wann haben Sie die Arbeit der Allunionsgesellschaft der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ kennengelernt?

– Ich bin seit dem ersten Tag aktives Mitglied von „Wiedergeburt“, seit dem Jahr 1989. Als ich in Almaty lebte, war ich im Vorstand unseres Kulturzentrums, welcher zu dieser Zeit von dem Redakteur der deutschen Zeitung „Freundschaft“ Konstantin Erlich geleitet wurde. Die nationale Thematik hat mich schon immer gereizt, ich habe versucht, genau diese Fragen auf den Seiten von „Neues Leben“ und „Freundschaft“ zu beleuchten.

– Was sind die Besonderheiten der deutschen Bewegung dieser Zeit?

– Zuallererst würde ich anmerken, dass die ganze Arbeit ehrenamtlich ablief. Die Leute haben uneigennützig zum Wohle ihres Volkes gearbeitet, ohne weder die private Zeit, noch private Mittel in Betracht zu ziehen. Zu dieser Zeit brannte das Problem der Emigration, wir haben praktisch mit jedem, der ging, geredet, haben versucht, zu helfen. Außerdem haben wir am Aufbau der regionalen Strukturen der Deutschen in ganz Kasachstan gearbeitet. Darin bestand zu dem Moment unsere Hauptaufgabe.

– Sie stehen an den Ursprüngen der nationalen Bewegung in Kasachstan, an welche strahlenden Momente erinnern Sie sich?

– Ich erinnere mich, wie ich auf Bitte von Wilhelm Tommi, einem Mitarbeiter des Gebietskommittees der Kommunistischen Partei, dabei mitgeholfen habe, die Gesellschaft der Deutschen im Gebiet Taldykorgan von Null ab aufzubauen. Wilhelm Tommi war gut vertraut mit der Arbeit unserer Gesellschaft in Almaty, er hat nicht ein Mal bei den Sitzungen gefehlt, deshalb hat er sich an mich gewendet mit der Bitte, eine ähnliche Struktur bei sich in der Region zu kreieren, wo er der erste Vorsitzende wurde.

Ebenso wollte ich die Tätigkeit der „Wiedergeburt-Bank“ erwähnen, die entstand, um in den verwegenen 90er Jahren  das Privateigentum der Deutschen zu schützen, die zur ständigen Niederlassung nach Deutschland gingen, ebenso um die Regionalgemeinschaften der Deutschen „Wiedergeburt“ zu unterstützen. Ich bin mit dem Leiter der Bank Wladimir Bekker zu den Vorsitzenden der Kolchosen und den Direktoren der Kolchosen gefahren. Die Bank wurde schnell sehr bekannt, von 72 Banken, die zu dieser Zeit bestanden, nahm „Wiedergeburt“ den 16. Platz ein. Leider existierte sie nur 4 Jahre lang, bis der Zufluss von Kapital abnahm.

– Am 25. August 1994 wurde in Almaty das Deutsche Haus eröffnet. Was bedeutete dieses Ereignis für die kasachstanischen Deutschen?

– Natürlich war dies ein bedeutsames Ereignis, dem viele Gäste beiwohnten, darunter Repräsentanten staatlicher Strukturen beider Länder – Kasachstan und Deutschland. Ich wurde eingeladen in der Funktion des Pressesekretärs der Gesellschaft der Deutschen Almaty. Nach der Eröffnung des Deutschen Hauses wurde die gesamte Arbeit zur Unterstützung der deutschen Minderheit völlig anders organisiert. Wo früher, wie ich schon gesagt hatte, alles auf öffentlicher Basis und privater Initiativen beruhte, begannen, jetzt durch die Unterstützung des Innenministeriums von Deutschland im Deutschen Haus festangestellte Mitarbeiter zu arbeiten, die festen Lohn erhielten. Schrittweise kam die Arbeit in Ordnung, es gab wenig, aber dafür professionelles Personal. Das Deutsche Haus wurde unterstützte viele: überall wurden Deutschkurse organisiert, Bedürftige erhielten medizinische und humanitäre Hilfe, fanden juristische Beratung. Mir bleibt die Visite des Oberhauptes unseres Staates Nursultan Nasarbaew und der Besuch von Roman Herzog, dem Bundespräsidenten Deutschlands gut im Gedächtnis.

– Welchen ihrer Mitarbeiter möchten Sie erwähnen?

– Zuallererst Wilhelm Tommi. Das war ein herausragender Mensch, der sich, ungeachtet dessen, dass er Parteimitglied war, immer an den Interessen der deutschen Ethnie erfreut und eng mit anderen ethnokulturellen Vereinigungen zusammengearbeitet hat. Eine nicht unbedeutende Rolle in der Bewegung der Deutschen Kasachstans spielten Eduard Airich, der verdiente Nationaltrainer der UdSSR, Gerold Belger, Schriftsteller und Übersetzer, und Adam Merz, Mitarbeiter des deutschen Radios.

– Iwan Egorowitsch, was wüschen Sie ihren Landsleuten zu diesem Jubiläumsjahr?

– Das allerwichtigste ist, das zu bewahren, was wir bis zum heutigen Tag erarbeitet haben und besitzen. Wir sind der Bundesregierung Deutschland für die langjährige Unterstützung der deutschen Minderheit in Kasachstan sehr dankbar. Unser Land ist heute zu neuen Kräften gekommen und wir müssen bereits an neuen Realitäten entsprechend den Anforderungen unserer Zeit arbeiten. In dieser Zeit ist schon viel passiert, und in diesen Jahren gab es nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste. Deshalb ist es sehr wichtig, dieses Klima und die warmen gegenseitigen Beziehungen sogar zu den kleinen Gesellschaften, sei es die Hauptstadt, seine Städte oder die Dörfer, zu bewahren. Es ist wichtig, Kontakte zu allen ethnokulturellen Zentren der Republik im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Versammlung des Volkes Kasachstans aufzubauen. Ich bin froh, dass die Arbeit zum Erhalt der deutschen Sprache gedeiht, besonders mit den Kindern, die Bildungsmöglichkeiten in den Schulen suchen. Alles dies hilft, die Nachfolge sicherzustellen, und unsere langjährige Arbeit verschwindet nicht mit den Jahren. Das Deutsche Haus soll erhalten bleiben als Zentrum, welches schon seit vielen Jahren eine Diskussionsplattform bildet und zum Wohl der deutschen Minderheit arbeitet. Beschützt und unterstützt euch gegenseitig!

– Vielen Dank für das Interview!

Interview: Olesja Klimenko

Übersetzung: Philipp Dippl

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