In der Sozialarbeit kann kein Mensch nur durch Zufall sein

Larisa Blynskaja, die Sozialkoordinatorin der Gesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Almaty teilte uns mit, wie die Deutschen Kasachstans den Tag des Sieges gefeiert haben und wie die Sozialarbeit in der Zeit der Quarantäne weitergeht.

– Um wie viel schwieriger wurde die Verwirklichung der Projektarbeit im sozialen Feld durch den Notstand und die Quarantäne?

– Diese Zeit wurde zur schwierigsten sowohl für unsere Mitarbeiter, als auch für unsere Schützlinge. Obwohl man anmerken muss, dass sie uns einzigartige Erfahrungen gebracht hat, durch die wir neue Facetten der Arbeit erschließen konnten. Die Pandemie hat ungewollt dabei geholfen, neue technische Möglichkeiten zu entdecken und zusätzliche Fertigkeiten zu erschließen. Wir mussten unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Dabei spreche ich in erster Linie von Schutzmaßnahmen. Sie werden zustimmen, dass es nicht gerade angenehm ist, die Betreuung in Schutzanzügen zu leisten. Schließlich sind unsere lieben Senioren einsame Menschen, sie sind an einen näheren Kontakt in ihren Beziehungen zu uns gewöhnt, viele haben den Ernst der Lage zunächst nicht akzeptiert. Es traten auch viele Schwierigkeiten bei der Lieferung von Windeln und Lebensmitteln auf. Wo früher unsere Jugend große Hilfe dabei geleistet hat, so ist eine der Grundregeln während der Quarantäne das Verbot sämtlicher Kontakte zwischen den Jugendlichen und den Älteren. Ich glaube, dass wir durch die gemeinsamen Anstrengungen gelernt haben, mit der neuen Situation umzugehen, und die Senioren machen es super, sie ertragen tapfer alle vorübergehenden Unannehmlichkeiten. Sie fragen sich also, ist es schwieriger oder einfacher geworden? Einfach war es nie. Um wenigstens einen moralischen Aspekt herauszugreifen. Wir nehmen uns jedwede Veränderung des Gesundheitszustands, jedes Unwohlsein und jede schlechte Laune sehr zu Herzen. Ich bin davon überzeugt, dass kein Mensch in unserem Projekt nur aus Zufall sein kann, das heißt, es gibt nicht ein solches Verständnis von Arbeitszeiten. Fragen Sie irgend eine Hilfskraft, und sie wird stundenlang von ihren Schützlingen erzählen. Sie sind aufrichtig miteinander verbunden – dies sind wirklich Menschen, die sich nahe stehen.

– Blieben denn die Trudarmisten den Festlichkeiten des 9. Mai fern?

– Bereits lange vor dem eigentlichen Feiertag haben wir begonnen, uns auf das Jubiläum des Sieges vorzubereiten. Vor 75 Jahren haben unsere lieben Veteranen den Lauf der Geschichte verändert. Und unsere Dankbarkeit für sie wird für Jahrhunderte bleiben. Natürlich hat die Quarantäne auch hier für Anpassungen gesorgt. Aber unter der Leitung unserer Vorsitzenden L. A. Nabokowa haben wir, meiner Meinung nach, unseren Trudarmisten angemessen gratuliert. Es wurden Lebensmittelpakete eingekauft, die unsere Senioren von ganzem Herzen erfreut haben. Jedem wurde an diesem Tag besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Wir haben viel geredet, Lieder gesungen, geweint und gelacht. Es wurde zu einem unvergesslichen Feiertag für alle von uns. Die Freiwilligen äußerten ihren großen Wunsch, an den Festtagen zu helfen, und ihre telefonischen Glückwünsche wurden zu einem erfreulichen Geschenk für unsere Pensionäre. Großen Dank möchte ich Anna Wasiljewna Jeremeewa aussprechen, die zusammen mit uns an den Glückwünschen für die Arbeitssoldaten teilgenommen hat. Der Klub der deutschen Jugend der Stadt Almaty „Vorwärts“ hat ein Video mit dem besonders rührenden Titel „Wir erinnern“ vorbereitet.

Je länger ich diese Arbeit mache, desto mehr verstehe ich, dass keine Pandemie unser Volk brechen kann. Wie viel Optimismus und positive Gefühle steckt doch in ihm! Unsere Menschen sind großartig. Ich werde nie aufhören, den Sinn für Humor und die menschliche Güte zu bewundern. Und sie wissen wirklich, wie man sich an den einfachen Dingen erfreut, deshalb ist es mir eine solch große Freude, sie mit Aufmerksamkeit und Fürsorge zu umgeben.

Und abschließend möchte ich den Menschen, die für eine solch schwierige Arbeit einen Teil ihrer Seele geben, meine unendliche Dankbarkeit und Anerkennung aussprechen. So waren sie doch in dieser schwierigen Zeit nicht nur Hilfskräfte, sondern wurden auch zu echten Freunden. Dank an Elena Tschumina, die sich während der Quarantäne an die Nähmaschine setzte und Masken nähte, und an Natalja Schubert für die Arbeit an dem Projekt „Route der Erinnerung und der Barmherzigkeit“. Welche unvergesslichen Geschichten schenken ihr unsere teuren Senioren! Einen riesigen Dank an Elmira Naurzbajewa – ein Mensch mit einem goldenen Herzen, und natürlich an die verehrte A. A. Gabiger, einer Veteranin unserer Gesellschaft. Und unseren Senioren möchte ich gute Gesundheit und noch viele Lebensjahre wünschen.

Kristina Libricht

Übersetzung: Philipp Dippl

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