Wie alles anfing…

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Zum 30-jährigen Jubiläum der Allunionsbewegung der sowjetischen Deutschen „Wiedergeburt“ und am Vorabend des 30-jährigen Bestehens der Regionalgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar möchten wir die Aufmerksamkeit des Lesers auf Wilhelm Iwanowitsch Franz lenken, dem besten Insolvenzverwalter der Republik Kasachstan und Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft.

– Ich kann mich natürlich nicht an alles erinnern, – so begann das Gespräch mit Wilhelm Iwanowitsch, – aber ich weiß, dass die „Stern“-Kooperative die erste war, die sich mit den Problemen der Deutschen in der Region Pawlodar befasste. Zu ihren Aufgaben gehörten organisatorische Fragen und die Arbeit am Niveau und der Lebensqualität der deutschsprachigen Bevölkerung der Republik. Zu dieser Zeit fand in der Sowjetunion ein aktiver Prozess im Zusammenhang mit der deutschen Frage statt. Es wurden Konferenzen veranstaltet, allerlei Organisationsveranstaltungen, und schließlich der Kongress der Deutschen, dem verschiedene Behördenrichtlinien vorausgingen. Natürlich, wurden vom Scheitel der Welle dieser Zeit auch unsere Leute aus Pawlodar aufgeschreckt. Ebenjene Gesellschaft der Deutschen wurde, wenn ich mich nicht irre, im Mai 1990 registriert.

Organisiert wurde sie für ein bestimmtes Ziel: die massenhafte Abwanderung der Deutschen in die historische Heimat, nach Deutschland, zu stoppen. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR begann nämlich die naturgemäße Migration der Bevölkerung (es gingen nicht nur Deutsche). Aber nicht immer sind gute Absichten gerechtfertigt. In der ersten Phase der Arbeit der Gesellschaft „Wiedergeburt“ nahm die Bevölkerung sie als Hilfestellung zur schnellen Ausreise über die Landesgrenzen hinweg wahr, da Deutschkurse organisiert wurden, und aus Deutschland kamen Stellvertreter, die Prüfungen abnahmen. Aber die Arbeit mit der Bevölkerung hat sich verbessert: auf behördlicher Ebene begann eine aktive Zusammenarbeit mit verschiedenen Strukturen Deutschlands, darunter mit den Gesellschaften der Deutschen in Deutschland, Russland und Kasachstan. In die Region floss die soziale Hilfe. Durch die Linie „VAUDE“ wurden verschiedene Mini-Komplexe geliefert.

– Damit die Technik passieren konnte, wurde eine Zollstelle eingerichtet, durch die wir eine Mini-Bäckerei übernommen und anschließend zusammen mit dieser Firma in Pawlodar aufgebaut haben. Im Dorf 30-Jahre-KasSSR wurde eine Käsefabrik eröffnet. Im Kreis Slawgorod wurden ebenfalls mehrere Gemeinschaftsunternehmen errichtet. Sie leisteten uns in der ersten Phase auch Unterstützung bei der Durchführung großangelegter Weihnachtsfeiern. Ich erinnere mich, dass in den ersten zwei oder drei Jahren der größte Konzertsaal in Pawlodar, der Saal der Traktorbauer (heute Estaj) bis zum Rand vollgestopft war. Unschätzbare Hilfe in der Durchführung dieser Veranstaltungen erhielten wir zu dieser Zeit vom russischen Zentrum und dessen Vorsitzender Tatjana Iwanowna Kuzinaja, wie uns die Struktur und Organisation von Großveranstaltungen beigebracht hat, – erinnert sich Wilhelm Franz.

Zu „Weidergeburt“ kam Wilhelm Iwanowitsch im Jahr 1990 von der regionalen „Agroprom“. Er stand am Ursprung der Gründung der gesellschaftlichen Vereinigung der Deutschen“Weidergeburt“ Pawlodar, zusammen mit seinem ersten Vorsitzenden Wiktor Wikotowitsch Worm.

– Die überregionale außenwirtschaftliche Assoziation „Interfive“, in der ich als stellvertretender Direktor arbeitete, half, die Arbeit der Gesellschaft in Schwung zu bringen, in dem sie zum Stifter wurde. Wir konnten ein altes, zweistöckiges Haus der agroindustriellen technischen Hochschule ankaufen, wohin wir „Wiedergeburt“ verlegten und etwa sechs Räume zu Klassenzimmern renovierten. Hier begann die aktive Arbeit mit dem Deutschunterricht unter Einbeziehung von Lehrkräften höherer Klassen. Das Geld wurde zentral zugewiesen. Viele wollten Deutsch lernen, aber es zeigte sich, dass die Menschen sich auf die Ausreise vorbereiteten. Das heißt, in der ersten Phase ihrer Existenz hat die Gesellschaft an der Abwanderung der Bevölkerung mitgearbeitet und nicht geschafft, sie zu stoppen, so wie es früher geplant war, – erzählt W. I. Franz.

Heute, wo er in guter körperlicher Verfassung ist und drei Sprachen fließend spricht: Deutsch, Kasachisch und Russisch, ist er Mitglied der Prüfungskommission der landesweiten gesellschaftlichen Stiftung und der Regionalkommission der Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar. Er scherzt:

– Am Anfang bestand die Leitung von „Wiedergeburt“ aus jungen Geschäftsmännern, sie hatten es im Blut, mit der deutschen Seite Kontakt aufzunehmen. Sie erhielten moderne Technologien und Projekte. Wir, die Veteranen, haben nun ein bisschen Platz gemacht, um neuen Ideen Raum zu geben. Ich habe das Co-Management schon lange abgegeben, aber als früherer Finanzfachmann leite ich seit vielen Jahren die Prüfungskommission. Zu meinen Aufgaben gehört die Durchführung von Revisionen und die Berichterstattung der Ergebnisse von Konferenzen und Versammlungen. Unter Berücksichtigung, dass ich schon in Rente bin, gibt es ansonsten keine besonderen Probleme. Manchmal werde ich eingeladen, irgendwo hinzufahren: im letzten Jahr war ich zur Revision in Almaty. Ich habe das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden: Ich habe mich erinnert, wie ich hier an der Hochschule für Volkswirtschaft studiert habe, ich habe gesehen, was sich alles verändert hat.

Und er sagt kein Wort davon, er sich in den 90er Jahren der schwersten Operation unterzogen hatte, aber die Geisteskraft ließ es ihm nicht zu, zu scheitern. Man hörte nur ein bescheidenes: „Ich werde zu einem Arzt gehen“.

Wilhelm Franz trägt seinen Beitrag zur Arbeit der Gesellschaft bei, indem er verschiedenartige Unterstützung in Finanzangelegenheiten leistet. Man muss anmerken, dass er immer eine Beschäftigung für das Herz findet – Hobbys, um es modern auszudrücken. Die Datscha, das Fischen im Winter und im Sommer, und natürlich das wofür es sich zu leben lohnt: die zweijährige Urenkelin. Ohne Fußball und Hockey kann er sich ein Leben nicht vorstellen. Er erinnert sich, dass der der Mannschaft durch die Städte Kasachstans hinterhergefahren und einmal zur Meisterschaft nach Zypern geflogen ist.

– Im Vorstand sitzt jetzt die Jugend. Die hat ihre eigenen Ansichten zu allen Fragen. Ich glaube, dass das richtig ist. Denn alleine die Tatsache, dass sie Arbeitsplätze schaffen, ist in unserer Zeit viel wert. Heute hat sich Olga Wladimirowna Litnewskaja die ganze Last der Sorgen auf ihre Schultern geladen, – lächelt der Gesprächspartner, – Und sie macht es hervorragend.

Auf die Frage, ob es den Wunsch gab, wegzugehen, antwortete er, dass es den gab, jedoch ist er zwiespältig: gehen – nicht gehen… als er mit Kollegen in Deutschland war, sah er, dass sie dort leben, wie im Märchen. Es reifte eine Idee heran: „Warum bringe ich dieses Märchen nicht zu mir nach Hause?“

Er ging nicht. Allem, was ihm in Deutschland beigebracht wurde, wurde in seinem Haus ein neues Leben gegeben – am Ufer des Irtysh in Pawlodar.

Man muss anmerken, dass die Übersiedlung nach Deutschland, die Ausstellung der Visadokumente, die Kultur- und Bildungsarbeit, die Wiederbelebung und Entwicklung der deutschen Traditionen, dass auf den ersten Blick alles miteinander zusammenhängt. Aber im Laufe der Zeit und mit den sich verändernden Anforderungen haben sich diese Funktionen aufgespalten, und heute arbeiten in der Region Pawlodar aktiv zwei „Wiedergeburt“. Die Visaagentur TOO „Zentrum der Deutschen „Wiedergeburt“ (Leitung Nail Grigorjew) und die Gebietsgesellschaft der Deutschen „Wiedergeburt“ Pawlodar“ (Leitung Wjatscheslaw Ruf).

Ljudmila Bews

Ubersetzung: Philipp Dippl

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